Geschichte
Die Geschichte der Kantorei an der Friedenskirche Hamborn ist untrennbar mit der Geschichte des Stadtteils selbst verbunden – geprägt von Industrialisierung, zwei Weltkriegen, wirtschaftlichem Wandel und dem beständigen Willen einer Gemeinschaft, gemeinsam zu singen.
Die Anfänge: Gründung im Jahr 1917
Mitten in den schweren Jahren des Ersten Weltkriegs, im Jahr 1917, wurde der gemischte Kirchenchor an der Friedenskirche Hamborn ins Leben gerufen. Dass ausgerechnet in dieser Zeit ein Chor entstand, spricht für den ungebrochenen Gemeinsinn der Hambornerin Kirchengemeinde. Mit den heimkehrenden Männern nach Kriegsende wuchs der Chor rasch auf rund 70 aktive und 45 passive Mitglieder an – eine beachtliche Größe, die den Chor von Beginn an zu einer festen Größe im kirchlichen und kulturellen Leben des Stadtteils machte.
Das Fundament: Die Friedenskirche und ihre Gemeinde
Die Friedenskirche selbst hat ihre Wurzeln in der Gründerzeit. Als die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts Tausende von Arbeitern ins damals noch ländliche Hamborn brachte, wuchs auch die evangelische Kirchengemeinde rapide. Der Grundstein der Friedenskirche wurde am 31. Oktober 1895 gelegt, und bereits am 22. Juli 1897 wurde das Gotteshaus eingeweiht. In diesem besonderen Bauwerk fand der Chor über Jahrzehnte seine musikalische Heimat.
Chorleiter und prägende Persönlichkeiten
Lehrer Leipner und Herrmann Vits
In den frühen Jahrzehnten formte Lehrer Leipner den Chor entscheidend. Sein Nachfolger Herrmann Vits – selbst Lehrer an einer Hamborneer Sekundarschule – brachte frischen Schwung mit, indem er talentierte Schüler für den Chor begeisterte. Vits leitete den Chor bis zu seinem Tod im Jahr 1951 und prägte damit eine ganze Generation von Sängerinnen und Sängern.
Ludwig Richter und die Chorgemeinschaft
Eine wegweisende Neugestaltung brachte das Jahr 1957: Ludwig Richter übernahm das Amt des Kantors und vollzog einen entscheidenden Schritt, indem er den Kirchenchor und die bestehende Kantorei zur Chorgemeinschaft der Friedenskirche vereinte. Damit entstand der repräsentative Konzert- und Oratorienchor für den gesamten Duisburger Norden – ein Ensemble, das fortan auch anspruchsvolle große Werke aufführen konnte.
Jahrzehnte kulturellen Engagements
Als feste Institution im Ruhrgebiet gestaltete die Kantorei das kirchenmusikalische Leben in Hamborn über Generationen hinweg. Besonders die Nacht der Chöre – ein beliebtes Chorkonzert-Format, das in vielen evangelischen Kirchengemeinden Deutschlands gepflegt wird – war ein Höhepunkt im Konzertkalender und zog Jahr für Jahr zahlreiche Besucher aus Duisburg und dem Niederrhein in die Friedenskirche.
Die Chorarbeit verband dabei stets zwei Dimensionen: die gottesdienstliche Musik als spirituelle Praxis der Gemeinde und das öffentliche Konzertleben als kulturellen Beitrag für die ganze Region. Informationen zur Kirchenmusik in evangelischen Gemeinden bietet auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD).
Ein Erbe, das bleibt
Die Chorgemeinschaft der Friedenskirche Hamborn hat ihren aktiven Betrieb eingestellt – ein Schicksal, das viele traditionsreiche Laienchöre in einer Zeit des demografischen Wandels und der Nachwirkungen der Pandemie teilen. Doch das musikalische Erbe dieser Kantorei lebt weiter: in den Erinnerungen ihrer Mitglieder, in den Konzertprogrammen vergangener Jahrzehnte und in der bleibenden Bedeutung, die gemeinschaftliches Singen für das Leben einer Gemeinde hat.